Ehemalige Hufe 7 in Ulsnis
1760 war Detlev Dethlefsen Besitzer der Hufe. 1767 übernahm sein ältester Sohn Detlev Christian Dethlefsen den Besitz. Nach seinem Tode heiratete die Witwe Detlev Holländer aus Süderbrarup. Nach seinem Ableben war sie in dritter Ehe mit Peter Rasch verheiratet. 1785 wurde Detlev Christian Dethlefsen Besitzer gegen Abnahme und 2.280 Taler. Er starb 1810, die Hufe wurde an die älteste Tochter Sophia Margaretha und deren Ehemann Hans Jürgen Schmidt übergeben, zwei Abnahmen mussten gezahlt werden. 1846 wurde der Besitz an Sohn Hans J. Schmidt übergeben.
1856 brannte das Wohnhaus ab, wurde aber im selben Jahr wieder aufgebaut. 1879 übernahm der Sohn Hans J. Schmidt den Betrieb.
Tochter Eline Schmidt heiratet den Bauern Tollgaard. Nach dem Tode von H. J. Schmidt übernahm das Ehepaar Tollgaard den Besitz. Tollgaard baute eine neue Scheune, 1931 kaufte er 3½ ha Land von Ernst Lorenzen aus Ulsnis. Tollgaard war bekannt durch seine sichere Betriebsführung. Wenn die neue Ernte heranreifte, hatte er noch tagelang zu dreschen von der alten Ernte. Er verstarb 1942, nach seinem Tode führte Eline Tollgaard in ihrer sparsamen Art den Betrieb weiter.
1962 vererbte Frau Tollgaard den Betrieb an Max Schmidt aus Süderbrarup, einem Enkel, der 1860 auf dem Hof geborenen Emma Schmidt, weil das Ehepaar Tollgaard keine leiblichen Erben hatte. Max Schmidt (*1928) arbeitete seit 1954 auf dem Hof, den er ab 1958 gepachtet hatte. Er heiratete 1957 Margrit, geb. Biermann (*1936, †2009).
Als ihnen zwei Kinder namens Schmidt geboren waren, wurde er von Eline Tollgaard adoptiert und führt seitdem den Namen Max Tollgaard-Schmidt. Der Name Schmidt bleibt auf dem Besitz erhalten. Das Ehepaar Schmidt hat die Kinder Jürgen (*1959), Elsbeth (*1961), Uta (*1963), Mark (*1964), Jens (*1967) und Gesa (*1977).
1989 übernahm Sohn Jürgen, verheiratet mit Erika, geb. Cordes (*1958), den Hof in Pacht. 1994 wurde der Hof überschrieben. Das Ehepaar hat die Kinder Jan (*1985) und Ingo (*1987).
Das jetzige Wohnhaus ist massiv und halb unterkellert. Der Baugrund ist aus behauenen Granitsteinen. Zum oberen Wohnbereich führt eine Freitreppe; diese Bauart ist bei Familien-Mitgliedern »Holländer« nachzuweisen.
Die erste Bedachung bestand aus Ziegeln, welche 1956 durch Eternit ersetzt wurden. Das Wohngebäude hat 13 Fach und enthält zwei Wohnungen (incl. Abnahme). Rechts vom Wohnhaus ist ein kombiniertes Stallgebäude für Kühe und seinerzeit Pferde und Schweine gewesen. In der Inflationszeit wurde es in drei Bauabschnitten mit Auffahrt zum Boden errichtet. Die Eisenträger zum Bau der Scheune sind noch von Schmied Jansen unter Mithilfe seiner Frau handgenietet.
1984 brannte die Kuhscheune nieder und ist als Laufstall südlich vom Knopperweg neu erbaut.
Ein Haus (Strandweg 1), das in den dreißiger Jahren erworben war, wurde für lange treue Dienste günstig an den Verwalter Max Jürgensen übergeben.
Hofanlagen in Angeln – einige Sonderformen
Von Meike Roos und Michael Böhmke Schleswig-Holstein ist besonders reich an verschiedensten Haus- und Hofformen. Jede Region und jedes Jahrhundert hat eine besonders geeignete Form für Wohnen, Viehhaltung und Lagerung gefunden. Dabei kann man verfolgen, wie Einflüsse und Wissen oft von anderen Ländern und Regionen wanderten.
Was die Höfe in Angeln betrifft, datieren die ältesten noch erhaltenen Gebäude ins 17. Jahrhundert. Dabei ist gleichmäßig über ganz Angeln verteilt das sogenannte schleswigsche Wandständerhaus anzutreffen, ein queraufgeschlossenes Gebäude mit Wohnteil, Lohdiele und Stall. Dieser Haustyp ist nicht nur in Angeln zu finden, sondern in ähnlicher Form auch in Teilen Dänemarks. Er behielt über viele Jahrhunderte seine Bedeutung; im 17. und 18. Jahrhundert baute man in Fachwerk, im 19. Jahrhundert dann in massiver Ziegelbauweise.
Doch Angeln ist eine Grenzregion, hier treffen sowohl dänische als auch niederdeutsche Einflüsse aufeinander. Und so entstand im südlichen Teil Angelns ein Hoftyp, der den Wohnteil des schleswigschen Hofes mit dem Wirtschaftsteil des niederdeutschen Hallenhauses kombinierte: das Südangeliter Fachhallenhaus. Einige bedeutende Exemplare dieses Baustils datieren ins 17. Jahrhundert, die meisten der noch erhaltenen Gebäude stammen jedoch aus dem 18. Jahrhundert.

Der Bautyp des Südangeliter Fachhallenhauses
Betrachtet man die beiden Haustypen, das schleswigsche Wandständerhaus und das südangeliter Fachhallenhaus, so fällt auf, dass Stalltür und Lohtor bei letztgenanntem nicht mehr in der Längswand, sondern in der Giebelwand zu finden sind. Betritt man die Loh durch das große Tor, die Groot Döör, erstreckt sich die breite und hohe Diele in Längsrichtung bis zum Wohnteil. Sie wird flankiert von Ständerreihen, ähnlich wie bei gotischen Kathedralen, welche die Dachlast tragen. Rechts und links, in den Abseiten oder Kübbungen, befand sich das Vieh. Dieser dreischiffige, hallenartige Stall- und Dielenteil bot Vorteile gegenüber dem Wirtschaftsteil des schleswigschen Hofes: Die Loh war deutlich breiter, länger und auch höher, und konnte mit beladenen Erntewagen befahren oder auch zum Dreschen und ähnlichen Arbeiten genutzt werden. Obwohl die Abseiten recht schmal waren, boten sie doch Platz für mehr Vieh.
Man übernahm in Südangeln aber nicht einfach die niederdeutsche Hofform; offensichtlich wollte man zwar die Vorteile des niederdeutschen Wirtschaftteils für sich nutzen, nicht aber auf den Wohnkomfort, den der schleswigsche Typ bot, verzichten. Denn im niederdeutschen Haus kochte und wohnte man hauptsächlich im zugigen und kalten Flett (der Diele) und hatte nur ein kleines Kammerfach entlang der Giebelwand. Im Wohnteil des südangeliter Hallenhauses tragen die Außenwände und eine zusätzliche längsverlaufende Mittelwand das Dach. Anders als im niederdeutschen Hallenhaus konnte man sich deshalb den Luxus einer ganzen Anzahl von Räumen nebst abgeschlossener Küche gönnen.
Einige existieren noch
Von den vielen großen Fachhallenhäusern, die auf den Hufen ehemals existierten, sind nur noch wenige erhalten. Zwei Gebäude aus Süderbrarup stehen heute im Freilichtmuseum in Molfsee bzw. im Landschaftsmuseum in Unewatt. Ein weiteres Exemplar, der Holländerhof in Wagersrott, ist noch gut erhalten; nach aufwändigen Sanierungsarbeiten ebenso das Nanningsenhaus in Füsing. Sie alle haben eine Breite von etwa zwölf Metern und eine Länge von bis zu 30 Metern.
Etwas kleiner in den Abmessungen, aber nach dem gleichen Bauprinzip errichtet, sind die Katen. Auch hiervon sind nur noch wenige komplett erhalten; bei vielen alten Häusern kann man jedoch noch Reste finden, wie eine Fachwerkwand oder die Innenkonstruktion. Ein schönes Beispiel ist die Hinrichsenkate in Hestoft; dort ist noch viel der originalen Substanz zu sehen, oder auch die Braaskate in Goltoft, die bereits in den 1930er Jahren vermessen und aufgezeichnet wurde.
Auch in unserem Gemeindegebiet waren viele Gebäude ehemals südangeliter Fachhallenhäuser. In Ulsnis gehört das Haus Möller in der Schleidörfer Str. 30 zu diesem Typ, auch das Pastorat war ehemals ein Hallenhaus mit Wirtschaftsteil. Schleidörfer Str. 29 (Krohn/ Heyland) ist ebenfalls ein südangeliter Hallenhaus, wenn auch deutlich kleiner. In Kius existieren viele der ehemaligen südangeliter Hufen und Katen nicht mehr: Vom alten Tönnsenhof in Kius gibt es noch ein Foto, das um 1900 aufgenommen wurde. Das Abnahmehaus vom Hof Delz galt bis zum Brand 1986 als ältestes Haus in Kius (von 1726) und war ebenfalls ein südangeliter Fachhallenhaus. Bis zu ihrem Umbau gehörte die Tüxen-Uhrmacherkate und die Malerkate, von der noch die originale Fachwerkrückwand erhalten blieb, zu diesem Typ. Und selbst die kleine Abnahmekate Kius 10 (Wandschneider) hat die typische südangeliter Wohn-Wirtschaftsaufteilung.

Dreiseithöfe in Angeln
Eine weitere Eigenart in Angeln stellen die Dreiseithöfe dar. Bereits Ende des 18., vermehrt aber im 19. Jahrhundert entstanden nach dem Vorbild herrschaftlicher Gutsanlagen Hofensembles, die U-förmig um einen zentralen Hofplatz angeordnet waren. Von der Hofeinfahrt kam man geradewegs auf das zurückgesetzte, stattliche Wohnhaus zu; rechtwinklig rechts und links davon, aber als getrennte Gebäude, befanden sich Stall und Scheune. Die Mitte des Hofplatzes nahm oftmals ein Rondell mit Solitärbaum, gern einer Blutbuche, oder ein kleiner Teich ein. Weitere Nebengebäude wie Schweinestall, Backhaus oder Abnahme konnten die Anlage komplettieren.
Besonderes Augenmerk galt dem Wohnhaus; es zeugte vom Wohlstand und dem Selbstbewusstsein der Besitzer. Meist eingeschossig, seltener auch zweigeschossig, mit portalähnlichem Eingangsbereich und doppelflügliger Haustür, so präsentierte es sich dem Besucher.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte ein Grundtypus vor, reetgedeckt und mit Krüppelwalm, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend neue stilistische Strömungen aufnahm: neogotisch, neobarock, Gründerzeitarchitektur mit Stuckelementen in der Fassade. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts näherte sich der Stil des Wohnhauses den städtischen Villen an, und die ehemals strenge Anordnung um den Hofplatz löste sich zunehmend.
Von diesen Hofanlagen sind im Moment noch viele zu finden, auch wenn die Ställe und Scheunen für heutige Bewirtschaftung oft nicht mehr geeignet sind und vielerorts verschwinden.

In Kius gehört der Hof von Hans-Hinrich Schmidt zu den in ihrer Struktur noch erhaltenen Hofanlagen. Von den ursprünglichen zwei Wirtschaftsgebäuden in Fachwerk ist eines später in Massivbauweise ersetzt worden, vom anderen sind noch Teile des Fachwerks erhalten.

