Ehemalige Hufe 3 in Kius

Die Hufe bezeichnete eine Vollbauernstelle. Dem Besitzer der Hufe, dem Hufner, standen die Nutzung der Felder und Wiesen sowie anteilige Nutzungsrechte an gemeinschaftlichen Flächen, der Allmende, zu. Die Hufner bildeten die höchste soziale Schicht, waren vollberechtigte Mitglieder der Dorfgemeinschaft und hatten Teil an der bäuerlichen Selbstverwaltung.

Die klassische Dreiseithof-Anlage in Kius (Lage auf Google-Maps) erreicht man über eine Zufahrt über einen Bach. Das massiv gebaute Wohnhaus wurde 1838 erbaut. 1870 wurde es aufgestockt, mit Schiefer gedeckt und um eine Veranda erweitert. 1894 erfolgte der Bau der Wagenremise.

Zwei Scheunen, rechts und links des Wohnhauses gelegen, bilden bis heute den offenen Hofplatz. Sie waren ursprünglich beide in Fachwerk gebaut und mit Reet gedeckt. Die ältere datierte ins Jahr 1764 und  war das ehemalige Wohn-Wirtschaftsgebäude. Sie brannte 1997 bis auf die Grundmauern ab; im selben Jahr noch konnte der Nachfolgebau, ein reines Wirtschaftsgebäude, fertiggestellt werden. Die zweite Scheune ist zur Hofseite hin massiv erneuert, die Rückseite ist noch in Fachwerk erhalten.

Kius 20, ehemalige Hufe 3, Wohngebäude mit Zufahrt über den Mühlenbach
Kius 20, ehemalige Hufe 3, Wohngebäude mit Zufahrt über den Mühlenbach

Nach Erich Ottzen war 1766 Asmus Schmidt Besitzer. Hans Hinrich Schmidt kaufte 1835 vom Müller H. Schmidt zu Hesel den alten Mühlenbauplatz mit einer Größe von 48 Ruthen. 1863 hat Hans Hinrich Schmidt das Landstück Stauertwedt mit Peter Gabriel gegen die Holzung Stauertwedt getauscht. Er übergab die Hufe 1865 an seinen Sohn Heinrich Eduard Schmidt in Kius. Johannes Schmidt war seit 1905 Besitzer. Danach erbte sein Sohn Johannes den Hof, der 1945 nach dem Krieg beim Minenräumen in Holland sein Leben verlor. Sein Bruder Hans Werner Schmidt (*1918) übernahm gemeinsam mit seiner Frau  Ingrid geb. Drews (*1922) den Hof. Aus dieser Ehe gingen drei Mädchen und ein Junge hervor. 1999 übernahm Hans-Hinrich Schmidt den Hof.


Hofanlagen in Angeln – einige Sonderformen

Von Meike Roos und Michael Böhmke Schleswig-Holstein ist besonders reich an verschiedensten Haus- und Hofformen. Jede Region und jedes Jahrhundert hat eine besonders geeignete Form für Wohnen, Viehhaltung und Lagerung gefunden. Dabei kann man verfolgen, wie Einflüsse und Wissen oft von anderen Ländern und Regionen wanderten.

Was die Höfe in Angeln betrifft, datieren die ältesten noch erhaltenen Gebäude ins 17. Jahrhundert. Dabei ist gleichmäßig über ganz Angeln verteilt das sogenannte schleswigsche Wandständerhaus anzutreffen, ein queraufgeschlossenes Gebäude mit Wohnteil, Lohdiele und Stall. Dieser Haustyp ist nicht nur in Angeln zu finden, sondern in ähnlicher Form auch in Teilen Dänemarks. Er behielt über viele Jahrhunderte seine Bedeutung; im 17. und 18. Jahrhundert baute man in Fachwerk, im 19. Jahrhundert dann in massiver Ziegelbauweise.

Doch Angeln ist eine Grenzregion, hier treffen sowohl dänische als auch niederdeutsche Einflüsse aufeinander. Und so entstand im südlichen Teil Angelns ein Hoftyp, der den Wohnteil des schleswigschen Hofes mit dem Wirtschaftsteil des niederdeutschen Hallenhauses kombinierte: das Südangeliter Fachhallenhaus. Einige bedeutende Exemplare dieses Baustils datieren ins 17. Jahrhundert, die meisten der noch erhaltenen Gebäude stammen jedoch aus dem 18. Jahrhundert.

Der Bautyp des Südangeliter Fachhallenhauses

Betrachtet man die beiden Haustypen, das schleswigsche Wandständerhaus und das südangeliter Fachhallenhaus, so fällt auf, dass Stalltür und Lohtor bei letztgenanntem nicht mehr in der Längswand, sondern in der Giebelwand zu finden sind. Betritt man die Loh durch das große Tor, die Groot Döör, erstreckt sich die breite und hohe Diele in Längsrichtung bis zum Wohnteil. Sie wird flankiert von Ständerreihen, ähnlich wie bei gotischen Kathedralen, welche die Dachlast tragen. Rechts und links, in den Abseiten oder Kübbungen, befand sich das Vieh. Dieser dreischiffige, hallenartige Stall- und Dielenteil bot Vorteile gegenüber dem Wirtschaftsteil des schleswigschen Hofes: Die Loh war deutlich breiter, länger und auch höher, und konnte mit beladenen Erntewagen befahren oder auch zum Dreschen und ähnlichen Arbeiten genutzt werden. Obwohl die Abseiten recht schmal waren, boten sie doch Platz für mehr Vieh.

Man übernahm in Südangeln aber nicht einfach die niederdeutsche Hofform; offensichtlich wollte man zwar die Vorteile des niederdeutschen Wirtschaftteils für sich nutzen, nicht aber auf den Wohnkomfort, den der schleswigsche Typ bot, verzichten. Denn im niederdeutschen Haus kochte und wohnte man hauptsächlich im zugigen und kalten Flett (der Diele) und hatte nur ein kleines Kammerfach entlang der Giebelwand. Im Wohnteil des südangeliter Hallenhauses tragen die Außenwände und eine zusätzliche längsverlaufende Mittelwand das Dach. Anders als im niederdeutschen Hallenhaus konnte man sich deshalb den Luxus einer ganzen Anzahl von Räumen nebst abgeschlossener Küche gönnen.

Einige existieren noch

Von den vielen großen Fachhallenhäusern, die auf den Hufen ehemals existierten, sind nur noch wenige erhalten. Zwei Gebäude aus Süderbrarup stehen heute im Freilichtmuseum in Molfsee bzw. im Landschaftsmuseum in Unewatt. Ein weiteres Exemplar, der Holländerhof in Wagersrott, ist noch gut erhalten; nach aufwändigen Sanierungsarbeiten ebenso das Nanningsenhaus in Füsing. Sie alle haben eine Breite von etwa zwölf Metern und eine Länge von bis zu 30 Metern.

Etwas kleiner in den Abmessungen, aber nach dem gleichen Bauprinzip errichtet, sind die Katen. Auch hiervon sind nur noch wenige komplett erhalten; bei vielen alten Häusern kann man jedoch noch Reste finden, wie eine Fachwerkwand oder die Innenkonstruktion. Ein schönes Beispiel ist die Hinrichsenkate in Hestoft; dort ist noch viel der originalen Substanz zu sehen, oder auch die Braaskate in Goltoft, die bereits in den 1930er Jahren vermessen und aufgezeichnet wurde.

Auch in unserem Gemeindegebiet waren viele Gebäude ehemals südangeliter Fachhallenhäuser. In Ulsnis gehört das Haus Möller in der Schleidörfer Str. 30 zu diesem Typ, auch das Pastorat war ehemals ein Hallenhaus mit Wirtschaftsteil. Schleidörfer Str. 29 (Krohn/ Heyland) ist ebenfalls ein südangeliter Hallenhaus, wenn auch deutlich kleiner. In Kius existieren viele der ehemaligen südangeliter Hufen und Katen nicht mehr: Vom alten Tönnsenhof in Kius gibt es noch ein Foto, das um 1900 aufgenommen wurde. Das Abnahmehaus vom Hof Delz galt bis zum Brand 1986 als ältestes Haus in Kius (von 1726) und war ebenfalls ein südangeliter Fachhallenhaus. Bis zu ihrem Umbau gehörte die Tüxen-Uhrmacherkate und die Malerkate, von der noch die originale Fachwerkrückwand erhalten blieb, zu diesem Typ. Und selbst die kleine Abnahmekate Kius 10 (Wandschneider) hat die typische südangeliter Wohn-Wirtschaftsaufteilung.

Grundriss Südangeliter Fachhallenhaus
Foto: Grundriss und Schnitt eines Südangeliter Fachhallenhaus am Beispiel von Hof Delz, Kius, abgebrannt 1986.

Dreiseithöfe in Angeln

Eine weitere Eigenart in Angeln stellen die Dreiseithöfe dar. Bereits Ende des 18., vermehrt aber im 19. Jahrhundert entstanden nach dem Vorbild herrschaftlicher Gutsanlagen Hofensembles, die U-förmig um einen zentralen Hofplatz angeordnet waren. Von der Hofeinfahrt kam man geradewegs auf das zurückgesetzte, stattliche Wohnhaus zu; rechtwinklig rechts und links davon, aber als getrennte Gebäude, befanden sich Stall und Scheune. Die Mitte des Hofplatzes nahm oftmals ein Rondell mit Solitärbaum, gern einer Blutbuche, oder ein kleiner Teich ein. Weitere Nebengebäude wie Schweinestall, Backhaus oder Abnahme konnten die Anlage komplettieren.

Besonderes Augenmerk galt dem Wohnhaus; es zeugte vom Wohlstand und dem Selbstbewusstsein der Besitzer. Meist eingeschossig, seltener auch zweigeschossig, mit portalähnlichem Eingangsbereich und doppelflügliger Haustür, so präsentierte es sich dem Besucher.

Dreiseitanlage des Hofes Lass in Kius
Foto: Dreiseitanlage des Hofes Lass in Kius.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte ein Grundtypus vor, reetgedeckt und mit Krüppelwalm, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend neue stilistische Strömungen aufnahm: neogotisch, neobarock, Gründerzeitarchitektur mit Stuckelementen in der Fassade. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts näherte sich der Stil des Wohnhauses den städtischen Villen an, und die ehemals strenge Anordnung um den Hofplatz löste sich zunehmend.

Von diesen Hofanlagen sind im Moment noch viele zu finden, auch wenn die Ställe und Scheunen für heutige Bewirtschaftung oft nicht mehr geeignet sind und vielerorts verschwinden.

Grundriss Dreiseitanlage des Hofes Schmidt in Kius
Foto: Grundriss Dreiseitanlage des Hofes Schmidt in Kius. Wohnhaus (1), Stall/Scheune (2 und 3) sowie Remise (4).

In Kius gehört der Hof von Hans-Hinrich Schmidt zu den in ihrer Struktur noch erhaltenen Hofanlagen. Von den ursprünglichen zwei Wirtschaftsgebäuden in Fachwerk ist eines später in Massivbauweise ersetzt worden, vom anderen sind noch Teile des Fachwerks erhalten.

Das alte Foto zeigt die Ehrenpforten des Bauerntag am 24. Juni 1922 in Ulsnis.
Bauerntag am 24. Juni 1922 in Ulsnis: Die Ehrenpforten


Anfänge der Besiedlung

Meike Roos, Michael Böhmke

Nördlich der Schlei liegt oberhalb des Gunnebyer Noors das Dorf Kius. Der Name Kius, früher Kyus oder Kyes, bedeutet wohl »enge Bucht« oder »enges Tal«. Ob sich der Name auf die enge Bucht in der Schlei oder aber auf ein Urstromtal bezieht, durch das der Mühlenbach fließt, ist nicht zu klären.

Im Grunde ist der gesamte Ort von Wasserläufen durchzogen, was auf alten Karten des Katasteramts gut zu sehen ist. Heute läuft das Wasser fast überall unterirdisch in Rohren; nur an den Grundstücken Nr. 20, Nr. 16 und Nr. 15 ist der Wasserlauf noch oberirdisch sichtbar. Der eigentliche Mühlenbach fließt von Kalkjer kommend durch den Ortskern weiter Richtung Schlei und bildet den Mühlenteich der Hesselmühle, die eine Wassermühle war. Ursprünglich lagen alle sechs Hufen des Dorfes am Mühlenbach.

Die Entstehung der Dörfer und Siedlungen in der ehemals waldreichen Landschaft könnte man sich folgendermaßen vorstellen: Die Bevölkerung siedelte an günstig gelegenen Stellen und machte das Land urbar. Wuchs die Bevölkerung, gründeten die Nicht-Erbberechtigten in der Nähe der eigentlichen Siedlung ein neues Gehöft, und eine neue Ansiedlung entstand bis zur Aufteilung der kompletten Bodens. Jedes Dorf hatte seine Feldmark, und die Anzahl der Höfe, der Hufen, war festgelegt.

Die jüngeren, nicht erbberechtigten Familienmitglieder hatten daher keine Möglichkeit Grund zum Wirtschaften zu erwerben. Offensichtlich wurde ihnen ungenutztes Land an den Grenzen der Feldmark zugewiesen. Auf diese Weise entstanden die um Kius gelegenen Katendörfer. Kiusser und Steinfelder Kätner bildeten die Siedlung Wackerade, Ulsnisser und Kiusser das Katendorf Kirchenholz. Der Name »Holz« deutet darauf hin, dass es sich bei dem zugewiesenen Land ehemals um Wald handelte. Für das Recht, dort zu siedeln, mussten die Kätner eine Abgabe an die Hufner leisten; und für einen Taler Grasgeld pro Kuh konnte das Vieh auf der allgemeinen Dorfweide grasen.

Zwischen Kius und Lindau befand sich eine einzelne Kate, Kiusweg. Ihre Entstehung verdankte sie vermutlich Streitigkeiten zwischen Kiusser Hufnern und dem Lindauer Gut. Tatsache ist, dass die Kiusser 1614 die Erlaubnis erhielten, dort einen Insten anzusiedeln, der die Aufgabe hatte, auf das dortige Heck an der Grenze der Feldmark zu achten. 1767 sollte Kiusweg abgebrochen werden, aber die Erlaubnis dazu wurde nicht erteilt.

Nach Ansicht G. Dircks müssen in früheren Jahren alle Ländereien des Kirchspiels Königsgut gewesen sein, die dann aber in den Besitz des Adels gelangt sind. Bei Kius existierte die so genannte Burg Hesselgaard, in der Nähe des Weges gelegen, der heute von Kius nach Bremsdiek führt. Obwohl von der Burg schon längst nichts mehr erhalten ist, kann man im Gelände noch Formationen der ehemaligen Anlage erkennen. Bekannt ist, dass 1362 auf Hesselgaard ein Hartwig Schinkel Besitzer war, und zu Hesselgaard werden auch die Kiusser Ländereien gehört haben. Später finden wir Hesselgaard im Besitz der Familien Breyde und von der Wisch. Sievert von der Wisch verkaufte 1504 das Gut an das Domkapitel zu Schleswig. Durch diesen Verkauf blieb den Einwohnern von Kius die Leibeigenschaft erspart, die wir in der Gemeinde nur in dem zum Gut Lindauhof gehörenden Dorf Gunneby (bis zu ihrer Aufhebung am 1. Mai 1784) verzeichnen können. Die drei Gunnebyer Hufen, welche das Domkapitel 1527 gegen vier andere in Havetoft an den damaligen Besitzer von Lindau, Otto Rathlov, vertauschte, gehörten vermutlich auch zu Hesselgaard.

Festehufner – Festekätner

Die Kiusser Hufner waren ebenso wie die Steinfelder, Ulsnisser und Hestofter sogenannte Festebauern. Während dem Bonden die vollen Verfügungsrechte über seinen Besitz zustanden, musste der Festehufner seine Landstelle von der Herrschaft »festen«.

Die Hufen gingen im Kirchspiel Ulsnis in der Regel vom Vater auf den ältesten Sohn über. Normalerweise brauchten nur die Ländereien gefestet zu werden, denn die Häuser und Scheunen waren meistens Eigentum der Bauern. Bei Antritt der Hufe und nach Bezahlung der Festegelder erhielten die Festehufner, und für die Katen natürlich auch die Festekätner, einen sogenannten Festebrief. Im Folgenden sei hier ein Festebrief, ausgestellt für den Kiusser Hufner Detlef Hinrich Petersen aus dem Jahr 1794, zitiert.

Im Namen Ihro Königl Maj zu Dänemark, Norwegen, meines allergnädigsten ErbKönigs und Herrn, thue dero bestalter Geheimer-Konferenzrath, Kammerherr und Amtmann des Amts Gottorf
Ich Detlef Christian von Rumohr, Ritter pp hiemit öffentlich kund und zu wissen, daß ich deroselben Unterthan Detlef Hinrich Petersen zu Kius die von Hans Hinrich Petersen gekaufte, zur vormaligen Domkapittels Vogtey Ulsnis gehörig gewesene Festehufe von 4 Mark Goldes umb und für eine Feste-Recognition von Vier Reichsthaler Courant, welche derselbe auch vermöge vorjährigem Gottorfer Amtsregisters richtig und baar erleget, verfestet, und eingethan habe.
Ich verfeste und übergebe demnach ihm, gedachten Detlef Hinrich Petersen obberührte Hufe mit allem Zubehör auch hiemit und kraft dieses, dergestalt und also, daß er selbige nunmehro anzunehmen, geruhig zu besitzen, zu nutzen, zu genießen, zu gebrauchen und die Zeit seines Lebens aus, daferner er es sonsten nicht verbrechen wird, zu behalten berechtigt seyn möge. Jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß er bey Verlust der Feste daran nichts ohne obrigkeitlichen Consens und Vorbewußt verkaufen, veralieren, versetzen oder verpfänden, sonsten aber falscherhalben Ihro Königl Maytt und Dero Königl Souverainen Nachkommen in alle Wege genug thun, mithin leisten und entrichten sollen, was von sothaner Festehufe bisher praestieret worden oder künftig annoch zu thun verordnet werden möchte; Gestalt er auch die Gebäuden sowohl als Ländereien in stets baulichem Stande und in guter Cultur zu unterhalten verpflichtet ist.
Urkundlich habe ich diesen Festebrief eigenhändig unterschrieben und mit meinem Pettschaft versiegeln laßen.
So geschehen auf dem Amthause vor Gottorf, den 13. Fbr. 1794.
D C Rumohr (Siegel)

Dieser Festebrief zeigt, dass der Festehufner die Hufe an einen anderen, in diesem Falle seinen Sohn, verkaufen konnte, dazu aber die Erlaubnis des sogenannten »Obereigentümers« einholen musste. Obereigentümer waren im Kirchspiel zunächst der Adel, später das Domkapitel zu Schleswig, aus dessen Händen es bei der Aufteilung der Domkapitelsgüter im Jahr 1658 endgültig an den dänischen König fiel. 1864 übernahm die preußische Krone die Festegerechtsame, welche dann in den Jahren von 1870 bis 1880 durch eine einmalige Ablösungssumme von seiten der Hufner und Kätner abgelöst wurde. Dadurch wurden die Festebauern und Festekätner den Bonden gleichgestellt.

Besitzer der Hufen und Katen

Die Besitzer der Kiusser Hufen sind zum ersten Mal aus dem Jahre 1561 bekannt, denn in diesem Jahr beginnt das älteste Kirchenrechnungsbuch der Ulsnisser Kirche. In Kius waren stets sechs Hufen, jede zu vier Mark Goldes eingeschätzt. Die Mark Goldes war aber kein genaues Landmaß, sondern eher eine Werteinschätzung. Denn bei der Einkoppelung 1766 erhielten die Kiusser bei ihren vier Mark Goldes ungefähr 150 Heitscheffel, die Ulsnisser Overbecker aber, die mit sechs Mark Goldes angesetzt waren, nur 115 Heitscheffel. Aus welchem Grunde die Hufen der Kiusser so niedrig eingeschätzt waren, ist leider nicht bekannt.

Hufner waren 1561 Jeß Hanßen, Peter Beneddicksen, Hans Meltßen, Pawel Low, Marquardt Tampßen und Melt Laßen. Im Jahr 1600 sind notiert: Peter Diryckßen, Pauell Louw, Jeß Calßen, Hans Jeßen, Laß Louw und Jeß Peterßen. Jeß Peterßen war der Besitznachfolger von Hans Benedixen. 1655 sind Jörgen Marquardsen, Peter Nißen, Paul Löw, Johann Tönnißen, Jörgen Dyrcksen und Peter Dyrckßen genannt.

Das Erdbuch des Domkapitels erwähnt für 1698 die Hufner Aßmuß Rasch, Jürgen Marquartsen, Peter Jeßen, Hans Pauwlsen, Diederig Petersen, Johann Laßen.

Zum Zeitpunkt der Verkoppelung 1766 nennt das Erd- und Vermessungsbuch die Hufner Hans Heinrich Petersen, Jürgen Schmidt, Erich Ottzen, Peter Diederichsen, Asmus Gabriel und Marx Tönnsen.

1561 gehörten vier Kätner zur Dorfschaft. Das waren Hermen Werm, Clawes Jeß, Nes Spary und Jeß Martißen. Den Namen Spary findet man 1564 schon nicht mehr. Im Jahre 1574 werden zum erstenmale fünf Kätner genannt, Hans Worm, Claues Jeßen, Carsten Petersen, Martin Jebßen und Claus Jürgenßen. 1592 waren es sieben Kätner, 1593 nennt das Kirchenrechnungsbuch schon elf Kätner, die den für Kätner üblichen Kirchenzehnten von 1 Schilling bezahlen mussten. Ihre Namen waren Hanß Worm, Peter Schröder, Karsten Peterßen, Marten Jebßen, Thomas Kemerlink, Clauwes Marquardsen, Asmus Snyder, Katrin Ebbeßen, Mathis Marquardsen, Johann Tamßen und Tucke Louve. Den Namen Louv oder Low findet man um diese Zeit viel unter den Hufnern des Kirchspiels, und auch in der Dorfschaft Kius befindet sich 1593 ein Pauwel Louv, Hufner. Man kann nun vermuten, dass jüngeren Söhnen, wenn ihnen keine andere Erwerbsmöglichkeit gegeben werden konnte, von der väterlichen Hufe eine Katenstelle abgelegt wurde.

Im folgenden Jahr kommen noch zwei Kätner dazu, nämlich Claus Moltßen und Laurens Möller (von Hesselmühle). Während die Zahl der Hufner immer gleich bleibt, vergrößert sich die Zahl der in Kius ansässigen Kätner immer mehr. 1655 finden wir schon sechzehn. Sie sind im Kirchenbuchregister eingetragen: Hans Hermensen, sel. Otto Claußens Witwe, Asmuß Claußen, Hinrich Rasch, Jörgen Nißen, Hans Möller, Thomas Kemerlin, Peter Schmidt, Pawel Dyrckßen (auch dieser wird ein Kiusser Hufnerssohn sein), Jiß Laßen, Heinrich Claußen, Hans Andreßen, Asmus Hamenßen, Nis Schmidt in Kirchholz, Hans Claußen Schneider und Hans Möller in Hesselmühle. Dann verringert sich die Zahl der Kätner wieder. 1675 sind nur noch 14 erwähnt. 1680 sind weitere sechs nicht mehr in Kius, es wird nur noch von acht Kätnern der Kirchenschilling erhoben. 1686 sind es wieder neun, leider werden keine Namen mehr genannt.

Die zeitweilig große Zahl der Kätner und ihr langsames Verschwinden deuten darauf hin, dass die Katen immer zu den Hufen, von denen sie abgelegt waren, gehört haben müssen. Waren sie nicht mehr bewohnt, fielen sie den Stammstellen wieder zu, denn von einem Verkauf oder Tausch ist nichts aktenkundig.

1872 wurde auf dem sogenannten Allemannsgrund eine Katenstelle neu eingerichtet. Auf diesem Grund stand bis 1849 die Kiusser Schule. Danach lag das Land nutzlos und so tauschten es die Hufner Gabriel und Tönnsen, sowie der Kätner Ohl von der Dorfschaft. Bei der Aufteilung der Ohlschen Kate erwarb der Tischler Heinrich Green den Wohnplatz und den Garten, der Kätner Hans Johann Tüxen die beiden Koppeln Hegeholz und ein Bruder des verkaufenden Kätners, Carl Ohl, erwarb ein Stück vom Allemannsgrund in Größe von 9 a 93,2 qm zur Errichtung einer neuen Familienstelle. Carl Ohl kaufte in Boren ein Haus, dort wurde es abgebaut und in Kius wieder aufgestellt. Durch Zukauf von Ländereien von der Michelschen Kate in Ulsnis-Kirchenholz und dem Müller Steen wurde aus der einstigen Instenstelle eine Kate, die in der Größe den Ursprungskaten in nichts nachstand. 1898 verkaufte Ohl die Kate an den Schneidermeister Peter Schmidt.

Landverteilung – Verkoppelung

Wie in allen anderen Dorfschaften hatten auch die Kiusser Hufner ihre Feldgemeinschaft. Im Vergleich mit anderen Dörfern begannen die Kiusser aber schon früh, Teile des gemeinsamen Ackerlandes untereinander aufzuteilen. Schon 1730 sollen die um das Dorf liegenden Stücke mit Wällen und Knicks eingezäunt gewesen sein. 1761 suchten sie um die Genehmigung nach, das Osterfeld aufteilen und einkoppeln zu dürfen, weil ihr Vieh auf Lindauer Gebiet übertrat und weil die Hesseler Mühlengäste aus dem Kirchspiel Boren dauernd querfeldein fuhren. Der Antrag wurde am 12.9.1761 genehmigt . Die endgültige Aufteilung der Feldgemeinschaft erfolgte aber erst nach der bekannten Verordnung. Lange gezögert haben die Hufner nicht, denn schon im Oktober 1766 war der größte Teil der Ländereien vom Landmesser Jürgen Jakobsen aus Boelschuby (in Gegenwart der königlichen Landleute Johann Wienken aus Hestoft und Peter Lorenzen aus Steinfeld) vermessen; der Rest wurde 1768 verteilt. Bei der Auflösung der Feldgemeinschaft ging den Kätnern die bis dahin besessene Weidegerechtsame verloren, es kam zum Streit zwischen den Hufnern und Kätnern. Nach Klärung des Konflikts erhielten die Kätner, je nach Anzahl der Kühe, Land zugewiesen. Allerdings war dieses Land mit Krattbusch überwuchert, und zum Roden musste erst noch die Erlaubnis eingeholt werden. Das für die Anlage der Knicks notwendige Buschwerk (Pathen) konnten sich Hufner sowie Kätner aus den königlichen Gehegen holen. Säumige wurden sogar dazu aufgefordert. Die Koppelnamen aus der Zeit der Vermessung sind oft als Flurnamen erhalten und erzählen etwas über die Besonderheiten des betreffenden Stück Landes. Sie lauten folgendermaßen:

Hoyholt, Ragrumb, May, Schafslücke, Lücke, Haselkoppel, Keelacker, Sibberacker, Swienstieg, Pinokoroy, Schreebek, Moorkoppel, Rüdkjer, Stauertwedt, Breeroy, Skiolacker, Glautöroy, Royendamm, Daalmoorwiese, Klint, Kalkjeracker, Nordschau, Tügestoft, Dammlücke, Trollhoykoppel, Pipperdamm, Tuerlück, Eggentwedt, Eichelund, Breebol, Pappelhol, Reyerdönn.