Was war los

Was war los?

18. November 2018

Rede zum Volkstrauertag 2018 von Richard Krohn

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger

Wir haben soeben an den Mahnmalen der Weltkriege Kränze niedergelegt zur Erinnerung an die gefallenen Soldaten, überwiegend jungen Männern aus den heutigen Gemeinden  Steinfeld und Ulsnis. Wir gedenken damit am heutigen Volkstrauertag in Trauer aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, denn aus dieser Trauer heraus, der Erinnerung des Herzens, entsteht eine Verpflichtung für den Frieden: damit sich dieses Leid nicht wiederholt.

Feld der Ehre. Ehrentod. Ehrenhalle. Ehrenmal. Mit diesen Vokabeln sollte und soll noch heute der Tod auf den Schlachtfeldern einen letzten, tiefen Sinn erhalten.

Aus den Feldpostbriefen von Nikolaus Andresen, dem Sohn des Lehrers Andresen aus Ulsnis:

»April 1915: Mit großen und kleinen Minen überschütten wir uns gegenseitig, dazu mit Hand- und Gewehrgranaten…, sprengen fast jede Nacht etwas in die Luft oder quetschen einen feindlichen Stollen ab, s. d. die Leute, die darin arbeiten, lebendig verschüttet werden. Dazu kommen Dum- Dum- Geschosse. Der Feind kneift die Spitze seines Geschosses ab, so dass es große Verwundungen gibt. Wir antworten damit, dass wir unsere Spitzgeschosse in der Hülse umdrehen, so dass das dicke Ende nach vorne kommt. Dass das Wunden reißt, könnt ihr euch denken. So wird man immer niederträchtiger, hinterlistiger, roher, mitleidloser, man wird mit einem Wort ein gemeiner Verbrecher in berechtigter Notwehr, das ist der Unterschied vom wirklichen Verbrecher. Sonst handelt man ganz wie dieser.«

Feld der Ehre. Ehrentod. Der 1. Weltkrieg, der vor hundert Jahren endete, kostete 10 Mio. Menschen das Leben.

Letzte Briefe aus Stalingrad

»Dass ich heimkomme, ist eine große Freude für mich und auch für meine liebe Frau, die du doch bist. Wie ich aber nach Hause komme, wird Dir keine Freude sein. Ich bin ganz verzweifelt, wenn ich daran denke, als Krüppel vor Dir zu liegen. Aber du musst es doch einmal wissen, dass meine Beine abgeschossen sind.«

»Im Zelt liegen noch über 80 Mann, draußen aber liegen ungezählte Kameraden. Durch das Zelt hört man ihr Schreien und Stöhnen, und keiner kann ihnen helfen. Neben mir liegt ein Unteroffizier aus Bromberg mit schwerem Bauchschuss. Der Oberarzt sagt, er würde bald nach Hause kommen, aber zu dem Sanitäter sagte er: »Länger als bis heute Abend macht er es nicht mehr, lass ihn so lange liegen.« Auf der anderen Seite… liegt ein Landser aus Breslau, der  einen Arm ab und keine Nase mehr hat, und er sagte mir, dass er jetzt keine Taschentücher mehr gebrauchte. Als ich ihn gefragt habe, was er machte, wenn er weinen müsste, gab er mir die Antwort, alle hier, auch du und ich, kommen gar nicht mehr zum Weinen. Um uns werden andere bald weinen.«

Die meisten dieser Soldaten sind dem Kessel nicht entkommen, aber diese Briefe wurden ausgeflogen. Sie erreichten aber nie ihre Adressaten, sondern wurden alle auf Anordnung des Führerhauptquartiers von der Heeresfeldpost-Prüfstelle beschlagnahmt.

Der 2. Weltkrieg kostete mehr als 55 Mio. Menschen das Leben. Ehrenhalle, Ehrenmal. Wir sollten diese Worte in diesem Zusammenhang nicht mehr benutzen, dienten diese Kriege doch der Großmannssucht eitler Generäle und einem verbrecherischen Staat. Es waren Expansionskriege, und in beiden Weltkriegen war die Lehre von der unterschiedlichen Wertigkeit der Rassen in der Kriegspropaganda von zentraler Bedeutung. Im 1. Weltkrieg war es die minderwertige Rasse der Franzosen, im 2. Weltkrieg waren es die minderwertigen slawischen Völker.

Die Rassenanthropologie ist nach heutiger Erkenntnis eine Pseudowissenschaft des 17. und 18. Jahrhunderts, die einen Zusammenhang zwischen Aussehen und Charakter behauptete. Heute wissen wir, d. h., wir sollten es wissen, dass die mittlere genetische Übereinstimmung von zwei beliebigen Menschen auf der Erde bei 99,8 Prozent liegt. Es gibt individuelle Unterschiede innerhalb einer Population, aber es gibt genetisch gesehen keine Rassen. Aber gerade diese Tatsache wird in der Migrations- und Flüchtlingsdebatte heute wieder von Hasspredigern geleugnet. Dabei sind diese Abermillionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Gewaltherrschaft. Und man kann auch lebensunwürdige Zustände als eine Form der Gewaltherrschaft betrachten. Wir können nicht all diese Menschen bei uns aufnehmen, aber wir müssen Mittel und Wege finden, um ihnen zu helfen, um eine gerechte Welt in Frieden und Freiheit zu schaffen.

Auch dazu  verpflichtet uns dieser Tag, der Volkstrauertag.

4. August 2018

Trauerrede von Richard Krohn zum Tod von Heidrun Karaca

Lieber Abdül, liebe Iris, lieber Gerald, lieber Thilo,
liebe Familienangehörige, liebe Trauergäste

Wir wollen hier in diesem Raum, dem Ort ihres Wirkens als Bürgermeisterin der Gemeinde Ulsnis, wo sie gewählt wurde und die Gemeinderatssitzungen geleitet hat, heute Abschied nehmen von Heidrun.
Ein jeder, der ebenfalls den Wunsch hat, etwas zur Person Heidruns zu sagen, dem eine Anekdote einfällt, ist herzlichst eingeladen, dies vorzutragen.

Kennengelernt habe ich Heidrun, als sie 2006 in die Gemeindevertretung nachrückte. Sie bildete mit Hannelore und mir die SPD/KWU-Fraktion und fortan sahen wir uns regelmäßig. Sie war fröhlich und wirkte manchmal etwas unbekümmert. Aber sie war immer optimistisch und voller Ideen: Da, wo andere 1000 Hürden sahen, da sah sie das Ziel. Sie war ausgleichend und kompromissbereit. Es war sehr angenehm, sie in unserer Mitte zu wissen.

Wenn ich jetzt aus Heidruns Leben berichte, dann können es nur Bruchstücke sein, denn jedes Leben mit all seinen Ereignissen und Gefühlen ist ein allzu komplexes Gebilde. Also nur einige wenige Fragmente.

Heidrun, geb. Schütze, wurde am 14. April 1951 in Freiburg im Breisgau geboren. Sie wuchs dort als ältestes Kind mit ihren zwei Brüdern Gerald und Thilo auf. Später kam die Schwester Iris dazu. Der Vater leitete ein Sanatorium im Schwarzwald, war vielbeschäftigt und hatte wenig Zeit für die Kinder. Heidrun bewies Stärke und fand zu großem Selbstbewusstsein: »Heidi kann alles allein.« Nur, der Weg zur Waldorfschule in Freiburg, 14 km durch Schlucht und dunklen Tannenwald, das machte ihr zu schaffen, so dass sie im weiteren Leben Tannen mied: »Schwarzwald-geschädigt«, wie Abdül sagte. Als sie später das Haus In Gunneby kauften, von Nadelhölzern umgeben, mussten diese erst gefällt werden.

Mit 17 Jahren verließ Heidrun das Elternhaus und den Schwarzwald und setzte die Schulausbildung in Hannover fort, wo sie 1972 Abitur machte. Im gleichen Jahr begann sie ein Studium an der TU Hannover, einen Studiengang für Höheres Lehramt, den sie nach einer Zwischenprüfung aber abbrach. Das war nicht das Richtige. Sie begann daraufhin eine Betriebsschlosserausbildung, die sie 1980 mit dem Facharbeiterbrief abschloss. Hier hatten sich aber auch 4 Schlosserlehrlinge gefunden, die beschlossen, nach der Ausbildung gemeinsam zu studieren. Heidrun sammelte zunächst betriebliche Erfahrung, bevor sie mit ihren Kollegen im September 1981 ein Maschinenbaustudium an der FH Hannover begann. Sie schloss das Studium 1986 als Diplom- Ingenieurin ab. Es folgte 1987/88 eine Ausbildung bei der Gewerbeaufsicht in Schleswig- Holstein, sie wurde verbeamtet und war zunächst in Kiel tätig, dann in Schleswig, später in Flensburg, wo sie bis zur Pensionierung im April 2016 als Amtsrätin tätig war. Eine ihrer Aufgabe war es in Streitfällen zu schlichten, eine Herzensangelegenheit, die ihr auch als Bürgermeisterin unserer Gemeinde viel Sympathie eingetragen hat. Ein Fall ging seinerzeit durch die Presse: Eine Bürgerin auf Sylt hatte dem Amt eine Lärmquelle angezeigt und ihre Nachbarn als Urheber bezichtigt. Heidrun wurde nach Sylt geschickt, das Problem zu klären. Was stellte sie fest: Die Lärmquelle war die eigene Heizung der Dame.

So gradlinig wie das Berufsleben verlief aber das Privatleben nicht. Die erste Ehe, die Heidrun mit 17 Jahren in Hannover schloss, hatte nur sieben Jahre Bestand. Die zweite Ehe, in der Zeit beim Gewerbeaufsichtsamt in Schleswig, als sie in Eckernförde lebte, endete mit dem frühen Tod ihres Mannes. Das alles und wahrscheinlich noch viel mehr musste sie sehr belastet haben, so dass sie 1996 zur Kur nach Bad Zwesten bei Marburg kam. Ein Glücksfall für ihr weiteres Leben, denn hier lernte sie Abdül kennen, dem das Leben ebenfalls nicht gut mitgespielt hatte. Heidrun brach die Therapie ab, aber sie besuchte Abdül fortan heimlich. Als Abdül nach drei Monaten seine Therapie beendet hatte, stellte sich für beide nur noch die Frage: Wo wollen wir unser gemeinsames Leben leben, in Hannover oder Eckernförde. Beide Orte kamen nicht recht in Betracht, aber dann bot sich Gunneby an. »Aber ohne Tannen!« Erstmalig hatten beide das Gefühl, zu Hause zu sein, ein nomadenhaftes Leben, wie Abdül es nannte, abgeschlossen zu haben. Rainer erinnerte sich noch, wie die beiden ausgelassen und glücklich im Wasser am Strand von Gunneby herumtollten, voller Glück.

2007 holte Heidrun ihre Mutter nach Gunneby, um ihr das Schicksal, ihre letzten Lebensjahre im Heim verbringen zu müssen, zu ersparen. Und 2009 kam Abdüls Vater hinzu. Es waren glückliche Jahre mit den beiden Alten, die sich obendrein sehr gut verstanden.
Heidrun war stets mutig, was neue Herausforderungen betrifft: sei es die Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters, sei es ihre Kandidatur für das Amt des Amtsvorstehers. Heidrun war begeisterungsfähig und stets offen für neue Ideen, als Bürgermeisterin wie im Privaten. Um das Jahr 2011 reiste sie nach Ägypten, um ein anthroposophisches Projekt kennenzulernen. In vielen Vorträgen hat sie davon berichtet. Vehement setzte sie sich als Bürgermeisterin für den Ausbau des Radweges nach Gunneby ein, für den jahrelang vergebens verhandelt worden war. Hier bewies sie großes Verhandlungsgeschick. Vielleicht, weil sie sich so gut in andere Menschen hineinversetzen konnte, deren Standpunkte sie verstehen konnte.

Mit der gleichen Vehemenz trat sie für den Ausbau des schnellen Internets in der Gemeinde ein. Als der Riese von Ulsnis geplant wurde, gehörte dies zu ihren Lieblingsprojekten. Später waren es dann die Geburtstagsfeiern des Riesen, wo sie den fröhlichen Mittelpunkt bildete. Als eine syrische Flüchtlingsfamilie im Dorf Wohnraum fand, hat Heidrun sie liebevoll betreut. Heidruns Freundin Margot dazu: Wenn jemand Hilfe brauchte, dann bekam er sie von Heidrun, egal, um was es sich handelte oder um wen es sich handelte. Und wenn ich ihre Mitstreiter frage: Was hat Heidrun ausgemacht?, dann sind es immer gleich lautende Charakterzüge als Antwort: Sie war beflügelnd. Sie war ausgleichend. Sie wollte gerecht gegenüber allen sein. Sie wollte für alle da sein, die Zufriedenheit der Bürger war ihr wichtig. Das dies nicht immer gelingen kann, ist das Drama eines jeden mit einem solchen Anspruch.

»Und immer sind irgendwo Spuren Deines Lebens,
Gedanken, Bilder, Augenblicke und Gefühle.
Sie werden uns an dich erinnern.«

So hat Wolfgang es in der Traueranzeige der Wählergemeinschaft formuliert, deren Mitglied Heidrun war. Und so wird es auch sein.
Der Krankheitsverlauf war dramatisch. Als Abdül Ende 2016 vom Besuch aus der Türkei zurückkehrte, stellte er fest, dass seine Frau blass aussah und abgenommen hatte. Und: Schluckbeschwerden hatte. Sie suchten unverzüglich einen Facharzt in Kiel auf: das vorläufige Untersuchungsergebnis war ernst zu nehmen. Eine Magenspiegelung brachte den Befund: Speiseröhrenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Es folgte ein Martyrium mit Behandlungsfehlern und Fehldiagnosen: Zunächst wurde eine falsche Chemo eingesetzt, so dass im Mai 2017 nach drei Monaten ohne Fortschritte unverzüglich operiert werden musste. Aber da waren die Lymphknoten des Magens bereits befallen. Reha und Chemo brachten keine Besserung, zeitigten erhebliche Nebenwirkungen. Im Dezember 2017 wurden Metastasen auch noch am Kleinhirn festgestellt. Wieder wurde operiert, wieder kam es zu Behandlungsfehlern. Heidrun litt jetzt zusätzlich unter Lähmungserscheinungen, es folgten wieder Bestrahlungen, eine Lungenentzündung kam hinzu. Die Verabreichung von schmerzlindernden Mitteln führte zur Lähmung des gesamten Körpers unterhalb des Kopfes. Hier war auch der Punkt erreicht, an dem jede Hoffnung auf Besserung, die Heidrun im Laufe der Monate immer wieder gehegt hatte, erstarb. Am 19. Juni wurde Heidrun mit dem Hubschrauber nach Flensburg ins Krankenhaus geflogen, wo sie am 25. Juni um 22 Uhr im Beisein von Abdül und Freunden gestorben ist. Auch für Abdül, der Heidrun durch die Monate des Leidens begleitet hatte, war dies angesichts der Hilflosigkeit in den vielen Stadien der Krankheit ein unerträglich schmerzhaftes Ende.
Bereits 2006 hatte Heidrun im Testament festgelegt, in der Türkei beerdigt zu werden. Im Nachhinein fragt man sich immer, ob eine Ahnung vom frühen Tod mitgespielt haben mag.

Manch einer wird sich vielleicht die Frage stellen, welcher Religion Heidrun angehört haben mag. Ich glaube, es gibt diese Religion noch nicht. Es müsste wohl eine Weltregion sein, die alle guten Züge verschiedener Glaubensrichtungen vereint.

Wunschgemäß wurde Heidrun sechs Tage nach ihrem Tod in einem Sarg in Uzungöl Caycara an der Seite von Abdüls Vater Mehmet Karaca beigesetzt. Mit einem Lächeln im Gesicht.

STUFEN (von Hermann Hesse)

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde.

Ich darf Sie bitten, soweit Sie es vermögen, sich von den Plätzen zu erheben und der toten Heidrun zu gedenken.
Muslime, Juden und Christen glauben an den Einen, wahren Gott.
Vater Unser im Himmel

8. Juli 2018

Das Foto zeigt ein Kind auf einem großen Motorrad. Aufgenommen auf dem Schleidörfertag 2018.
Schleidörfertag 2018

Am 8. Juli 2018 fand zum wiederholten Mal der Schleidörfertag statt. In diesem Jahr mit der Beteiligung der Dörfer Lindau-Boren, Kosel, Missunde, Brodersby und Ulsnis. Das Schönste dabei war die Möglichkeit der Schleiquerung mit dem Boot »Hein« von Ulsnisstrand nach Marina Hülsen. Es konnten sogar Fahrräder mitgenommen werden. Des weiteren gab es einen Bus-Shuttle-Verkehr zwischen den Dörfern jenseits der Schlei, auch das klappte sehr gut.

Am Dorfmuseum in Ulsnis gab es Kaffee und Kuchen, Grillwurst, Getränke und einen Handwerkermarkt. Auch gab es eine Oldtimer-Ausstellung und Andi Feldmann war mit seinem Motorrad da. Der Männergesangverein »Hoffnung« gab ein Konzert im Museum. An der Ulsniser Kirche gab es ab 11 Uhr Kirchenführungen und ab 14 Uhr Orgelspiel an der Johann Daniel Busch-Orgel. Auch an der Kirche wurde Kaffee und Kuchen angeboten.

Ab 15 Uhr hatte das Oldtimermuseum auf dem Hof Nordschau geöffnet.

Das Wetter war sehr schön und die Besucher/innen freuten sich über einen rundherum schön gelungenen Tag!

Text: Ursula Hagge